Vor sechs Jahren haben Oliver und ich beschlossen, alles hinter uns zu lassen. Unser Zuhause, unser gewohntes Leben in Deutschland. Wir sind eine Patchwork-Familie mit fünf Kindern – und wir sind trotzdem gegangen. Oder vielleicht gerade deshalb.
Dieser Artikel ist kein Hochglanzreisebericht. Er ist das, was ich mir damals gewünscht hätte zu lesen – ehrlich, konkret, mit den Rückschlägen, die dazugehören.
Warum überhaupt auswandern?
Es gab keinen einzigen dramatischen Moment. Es war ein schleichender Prozess. Irgendwann haben wir gemerkt: Das Leben, das wir führen, ist nicht das Leben, das wir wollen. Wir wollten mehr. Mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung, mehr Leben.
Wir waren beide Unternehmer in Deutschland. Oliver hatte eine Personalvermittlungsfirma, ich eine Social Media Agentur. Hatten Struktur, hatten alles, was man haben sollte. Und trotzdem hat sich irgendetwas falsch angefühlt.
Es gibt immer einen Grund, nicht zu gehen. Die Eltern. Die Freunde. Die Kinder. Den Job. Irgendwas ist immer da. Und dann kam Corona – die Kinder waren plötzlich nur noch zu Hause, nicht mehr in der Schule. Und wir haben gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Also sind wir gegangen. Mit drei von fünf Kindern nach Kroatien. Zwei unserer älteren Töchter sind in Deutschland geblieben. Wir hatten uns gut vorbereitet – Beratung, Sprachlehrer, wir hatten sogar schon ein Haus dort gekauft, bevor wir überhaupt angekommen waren. Wir haben in Deutschland unser Haus verkauft. Die Firmen haben wir nicht einfach aufgegeben – Oliver hat seine Personalvermittlung noch ein Jahr lang aus Kroatien weitergeführt, seine Mitarbeiter begleitet und dafür gesorgt, dass alle einen guten Arbeitsplatz finden. Erst dann hat er die Firma mit einer anderen verschmolzen. Ich habe meine Social Media Agentur bzw. die Kunden vor der Auswanderung an eine andere Agentur übergeben. Parallel dazu haben wir eine Holding gegründet – wie das alles zusammenhing und was das steuerlich bedeutet hat, beschreiben wir ausführlich im Wegzugsteuer-Artikel.
Und trotzdem: Wer noch nie ausgewandert ist, kann nicht wissen, was wirklich auf einen zukommt. Das lernt man nur, indem man es tut.
Meine größte Angst
Ich hatte gar nicht so Angst vor dem neuen Land. Vor dem Unbekannten, dem Fremden, dem Anderssein – das hat mich nicht wirklich geschreckt. Was mich wirklich beschäftigt hat: alles hinter mir zu lassen. Freunde, Familie, vertraute Gesichter. Und vor allem – zwei unserer älteren Töchter sind in Deutschland geblieben. Den Spagat hinzubekommen, dass man trotzdem eine echte Beziehung zu ihnen hat, dass man präsent bleibt, obwohl man weit weg ist – das war und ist die eigentliche Herausforderung. Nicht das Auswandern selbst.
Man sieht sich in real sehr selten. Gerade jetzt, wo wir viel Zeit in Südafrika verbringen, ist die Distanz spürbar. Es ist nicht alles easy – und das will ich auch gar nicht so rüberbringen. Es gibt Rückschläge. Es gibt schwierige Momente. Aber man wächst daran. Das ist meine ehrliche Antwort.
Was wir konkret vorbereitet haben – und was es gekostet hat
Auswandern passiert nicht einfach so. Bei uns hat die Vorbereitung auf mehreren Ebenen stattgefunden.
Sprachlich haben wir einen privaten Sprachlehrer organisiert – für die Kinder und für mich. Kroatisch ist nicht einfach, aber es hat geholfen, schon vor der Ankunft eine Grundlage zu haben.
Unternehmerisch war es komplizierter. Was viele nicht wissen: Wer Deutschland mit Unternehmensanteilen verlässt, kann eine saftige Wegzugsteuer bekommen. Bei uns wäre das fast siebenstellig geworden. Wie wir damit umgegangen sind, haben wir hier ausführlich beschrieben: Wegzugsteuer – wie uns der deutsche Staat beim Auswandern fast siebenstellig zur Kasse gebeten hätte.
Was hat das alles gekostet? Allein für die Auswanderung nach Kroatien waren wir im unteren fünfstelligen Bereich – Umzug, Anwalt, Holdingsgründung, Sprachlehrer, Beratung. Das klingt viel. Aber wer mit Unternehmensanteilen auswandert und sich keine professionelle Hilfe holt, zahlt am Ende ein Vielfaches davon – nur eben ans Finanzamt.
Für all das haben wir uns Hilfe geholt – bei Christoph Heuermann von Staatenlos. Zwei Beratungen, nicht günstig, aber im Nachhinein das Beste, was wir tun konnten. Er hat uns geholfen, unser gesamtes Konstrukt neu aufzustellen – von der Holdingstruktur über die Firmenauflösung bis hin zu steuerlichen Fragen. Auf alles hatte er eine Antwort. Wer vor ähnlichen Fragen steht, findet hier mehr Informationen: Staatenlos Beratung mit Christoph Heuermann.
Was uns wirklich überrascht hat
Wir haben uns gut vorbereitet – und trotzdem hat uns vieles überrascht. Das liegt nicht an schlechter Vorbereitung, sondern daran, dass manche Dinge erst durch Erfahrung sichtbar werden.
Was mich am meisten überrascht hat: wie viel Bürokratie der deutsche Staat einem in den Weg legt, wenn man geht. Das Thema Kindergeld zum Beispiel – wir waren noch ein Jahr steuerpflichtig in Deutschland, haben also weiter Steuern gezahlt. Und trotzdem war das Kindergeld über die Familienkasse so aufwendig zu beantragen, dass ich irgendwann aufgegeben habe. Obwohl es uns zugestanden hätte. Das ist eine von vielen Lektionen, die man nur durch Erfahrung lernt.

Du hast Fragen. Ich habe Antworten.
Auswanderung, Freilernen, finanzielle Unabhängigkeit — aus eigener Erfahrung.
Wie die Kinder das erlebt haben
Die drei Kinder, die mit uns nach Kroatien gekommen sind, waren am Anfang ehrlich gesagt ein bisschen geschockt. Raus aus dem Umfeld, raus aus dem Vertrauten. Aber Kinder spiegeln, was Eltern ausstrahlen. Wir waren überzeugt – und das haben sie gespürt. Sie haben uns vertraut.
Und dann haben wir sie auch noch aus der Schule genommen. Was zunächst nach noch mehr Veränderung klang, war für sie plötzlich befreiend. Sie hatten schon erlebt, dass nach einem großen Schritt viel Gutes kommt. Das hat sie offener gemacht – für alles Neue.
Als wir dann die zweite Base in Südafrika dazugenommen haben, war die Reaktion eine ganz andere. Kein Zögern mehr, kein Schock. Eher: Okay, Kroatien kennen wir – was kommt als Nächstes? Sie sind mitgewachsen.
Unsere beiden älteren Töchter sind in Deutschland geblieben. Natürlich haben wir Kontakt – aber man sieht sich selten. Gerade jetzt, wo wir viel Zeit in Südafrika verbringen, ist die Distanz spürbar. Das ist nicht immer einfach. Aber man findet Wege. Und man wächst daran.
Mehr dazu, wie wir das Thema Schule angegangen sind und was Freilernern wirklich bedeutet, findet ihr hier: Wir haben Schule beendet – und plötzlich fing Lernen an.
Was sich seitdem verändert hat
Sechs Jahre später sind wir finanziell unabhängig. Nicht weil wir Glück hatten, sondern weil wir Entscheidungen getroffen haben – eine nach der anderen. Was das konkret bedeutet und wie es funktioniert, erkläre ich hier: So wie früher funktioniert es nicht mehr – und genau das ist unsere Chance.
Kroatien war unsere erste Base, Südafrika ist die zweite. Wie unser Alltag dort wirklich aussieht, beschreiben wir hier: So leben wir wirklich in Südafrika. Und was der Umzug nach Kroatien uns gebracht hat, was wir dort gelernt haben und was schiefgelaufen ist – dazu folgt bald ein eigener Artikel.
Was du brauchst, wenn du auswandern willst
Kein perfekter Moment. Den gibt es nicht. Es gibt immer einen Grund zu warten – und irgendwann musst du entscheiden, ob du wartest oder gehst.
Erstens: Professionelle Beratung – besonders wenn du Unternehmer bist oder Unternehmensanteile hast. Was du nicht weißt, kann dich sehr teuer zu stehen kommen. Eine Beratung bei Staatenlos hat uns damals sehr geholfen: Hier geht's zur Staatenlos Beratung.
Zweitens: Gute Informationen über dein Zielland. Steuern, Visa, Lebenshaltungskosten, Einwanderungsbedingungen – das Auswander Lexikon von Staatenlos gibt einen ersten Überblick über 50 Länder weltweit. Und wer sich zusätzlich über Offshore-Banking und Vermögensschutz informieren möchte, findet im Banken Lexikon alles, was man dazu wissen muss.
Drittens: Eine solide finanzielle Grundlage. Wer ortsunabhängig arbeitet oder das plant, findet im Freelancer Auswanderer Toolkit einen kompletten Leitfaden – von der ersten Entscheidung bis zum ersten Kunden im Ausland.
Und viertens: Den Mut, trotzdem zu gehen. Auch wenn nicht alles perfekt ist. Auch wenn Freunde und Familie zurückbleiben. Auch wenn man nicht alle Antworten hat.
Wir haben es bereut? Nein. Nicht einen Tag.
Fazit
Sechs Jahre, zwei Länder, fünf Kinder, unzählige Learnings. Wir haben es nicht bereut – aber wir würden auch lügen, wenn wir sagen würden, es war immer einfach.
Auswandern ist kein Urlaub. Es ist eine Entscheidung, die man jeden Tag neu trifft. Für die Freiheit, für das Leben, das man wirklich führen will – und gegen die Bequemlichkeit, die einen zuhause hält.
Was ich heute weiß: Den perfekten Moment gibt es nicht. Aber es gibt den Moment, wo man aufhört zu warten. Der war bei uns damals. Und er hat alles verändert.
Wenn du Fragen hast oder deine eigene Auswanderungsgeschichte teilen möchtest – schreib sie gerne in die Kommentare. Ich lese alles und freue mich auf den Austausch. 👇


