Fünf Kinder, drei Schulsysteme – und warum wir uns am Ende für Freilernen entschieden haben
Wir haben fünf Kinder.
Und wir haben wirklich alles erlebt, was Schule so zu bieten hat.
Martha (22), meine Patchworktochter, ist immer zur Schule gegangen, hatte immer beste Noten und hat viel Zeit mit Lernen verbracht. Emma (17) lebt bei ihrem Vater in München, hat häufig die Schule gewechselt und ist nie gern zur Schule gegangen. Lena (15) und die Zwillinge Til und Fee (10) gingen bis 2021 in die deutsche Schule und Kita, ab 2021 in die kroatische Dorfschule – und seit Januar 2025 ins Freilernen.
Wir sprechen also nicht aus Theorie.
Wir sprechen aus Erfahrung.
Warum das deutsche Schulsystem für uns nicht funktioniert hat
Mit dem deutschen Schulsystem waren wir nicht glücklich. Und das hatte viele Gründe.
Viel Mobbing.
Viel Gewalt.
Wenig Hinschauen.
Kaum Individualität.
Viel Sitzen, wenig Bewegung.
Unsere Kinder wurden über die Zeit immer stumpfer, trauriger, innerlich müde.
Und wir als Eltern? Häufig im Stress.
Wir mussten pushen.
Zum Auswendiglernen.
Zu Dingen, die sich für unsere Kinder überhaupt nicht sinnvoll anfühlten. Und gleichzeitig wurde von ihnen erwartet, mit Menschen klarzukommen, die sie sich im echten Leben niemals ausgesucht hätten.
Immer wieder gab es Streit wegen Hausaufgaben. Und Themen, mit denen sie nach Hause kamen, bei denen wir nur den Kopf schütteln konnten. Wissen, das ihnen eingetrichtert wurde – als absolute Wahrheit – obwohl es das oft gar nicht war.
Ich kenne beide Seiten
Ich komme aus einer Lehrerfamilie. Ich weiß, wie es auf der anderen Seite aussieht. Und ich bin selbst in genau diesem System groß geworden. Ich kannte nichts anderes.
Genau deshalb hatte ich großen Respekt vor dem ersten Schritt: neues Land, neue Schule, neue Sprache. Raus aus dem deutschen System.
Für mich war das der erste Schritt in ein neues Leben. Die Kinder haben diesen Schritt erstaunlich gut gemeistert. Auch die sprachlichen Barrieren waren schneller überwunden, als wir gedacht hätten.
Vom deutschen ins kroatische System – und dieselben Muster
Die kroatische Dorfschule war in vielerlei Hinsicht freundlicher. Kleiner. Persönlicher.
Und trotzdem wurde uns nach einiger Zeit klar: Am Grundprinzip hatte sich nichts geändert.
Auch hier waren unsere Kinder viele Stunden am Tag von uns getrennt. Auch hier wurde viel gesessen.
Auch hier ging es um Anpassung, Auswendiglernen und Funktionieren.
Sie verbrachten den Großteil ihres Tages mit Menschen, die sie sich nicht ausgesucht hätten,
und bauten Beziehungen auf, die oft mehr Zweck als echte Verbindung waren.
Wenn sie Dinge hinterfragten oder selbst dachten, war dafür wenig Raum.
Und immer wieder kamen Themen mit nach Hause, bei denen wir uns fragten, warum Kinder sich damit beschäftigen müssen – und anderes, viel Wichtigeres keinen Platz hat.
Uns wurde klar: Wir sind aus dem deutschen System raus – aber im nächsten System wieder drin.
Kein neues System – sondern Freiheit
Kurz dachten wir über Homeschooling nach. Aber ehrlich gesagt: Das wäre auch wieder nur ein weiteres System gewesen. Also stellten wir uns eine radikalere Frage: Was wäre, wenn wir Schule komplett beenden?
Ende 2024 nahmen wir unsere Kinder vollständig aus der Schule. Ohne fertigen Masterplan. Aber mit Vertrauen. Wir sind erst einmal auf Reisen gegangen, um den Übergang bewusst weich zu gestalten.
Und ja – ich hatte Sorgen. Große sogar.
Meine größten Ängste
Lena. Sieben Jahre Schulsystem – und dann mitten in der Pubertät raus? Was würde das mit ihr machen? Würde sie den Anschluss verlieren?
Und die Zwillinge? Was machen Kinder bitte den ganzen Tag ohne Schule? Und diese große Frage, die uns immer wieder gestellt wird: Lernen Kinder wirklich einfach so? Lesen, schreiben, rechnen – ohne Druck?
Was wir heute wissen
Ja. Das Leben besteht aus Lernen. Unsere Kinder lernen, weil sie wollen. Weil es Sinn ergibt. Weil es sie betrifft. Nicht perfekt. Nicht jeden Tag gleich. Aber echt. Unsere Kinder sind nicht faul geworden. Sie sind wach geworden.
Und genau darüber werden wir hier weiter schreiben – ehrlich, ungeschönt und aus dem echten Leben.



