Wir hatten in Deutschland nicht einfach nur Firmen. Wir hatten Verantwortung. Für Menschen. Für Familien. Für Existenzen. Und wir haben diese Firmen mit viel Einsatz, Verzicht und Herzblut aufgebaut.
Mein Mann Oliver führte eine Personalvermittlung im Hamburger Hafen mit über 100 Mitarbeitern. Ich selbst hatte eine Social-Media-Agentur mit fünf Angestellten.
Und dann kam diese Entscheidung, die alles verändert hat: Wir wollten auswandern.
Klar war: So wie bisher geht es nicht weiter
Uns war sofort bewusst, dass sich beruflich vieles verändern würde. Ein einfaches „Weiter so“ kam für uns nicht infrage.
2021 gründeten wir in Deutschland eine Beteiligungs-GmbH, um Strukturen zu bündeln und sauber neu aufzustellen.
Ich habe meine Kunden an eine befreundete Agentur übergeben und mich aktiv darum gekümmert, dass meine Mitarbeiter neue Perspektiven und neue Jobs bekommen.
Oliver arbeitete noch zwei Jahre aus Kroatien weiter. Nur seine internen Mitarbeiter wussten davon. Die ursprüngliche Idee war: die Firma verkaufen.
Olli und seine Firma – mehr als ein Unternehmen
Für Oliver war diese Firma nie einfach nur ein Business.
Er kannte viele seiner Mitarbeiter seit Jahren.
Gerade im Hafen war das Verhältnis besonders.
Er war nicht nur Chef, sondern Ansprechpartner, Vertrauensperson, manchmal Vaterfigur, manchmal Freund. Seine Mitarbeiter konnten sich auf ihn verlassen – und er auf sie.
Irgendwann war klar: Ein Verkauf fühlte sich nicht richtig an.
Und dann kam die Wegzugsteuer
2021 wurde sie für uns relevant. Nicht theoretisch, nicht als Randnotiz – sondern als reales Risiko.
Die Wegzugsteuer bedeutet vereinfacht: Der Staat tut so, als würdest du deine Firmenanteile verkaufen, nur weil du Deutschland verlässt.
Ob du tatsächlich verkaufst oder Geld fließt, spielt keine Rolle. Was zählt, ist eine fiktive Bewertung.
Vier Jahre später – der Moment, mit dem wir nicht gerechnet haben
Der Steuerbescheid mit dem fiktiven Veräußerungswert kam erst vier Jahre später.
Vier Jahre, in denen wir längst weitergelebt, umstrukturiert und neue Entscheidungen getroffen hatten.
Vier Jahre, in denen dieses Thema im Hintergrund existierte – ohne zu wissen, wann und in welcher Form es zurückkommt.
In diesem ersten Bescheid wurde für unsere Firmenanteile ein sogenannter „gemeiner Wert" angesetzt, der sich im hohen siebenstelligen Bereich bewegte.
Daraus ergab sich eine Wegzugsteuer im hohen sechsstelligen Bereich –
für Geld, das nie geflossen ist und nie auf einem Konto lag.
Fast rechtskräftig – und warum wir unglaubliches Glück hatten
Dieser Bescheid hat uns nur erreicht, weil der Steuerberater, der die Post in Deutschland für uns entgegengenommen hat, ein alter Freund von mir ist.
Er hat mich angerufen und gesagt: „Da ist ein Bescheid gekommen – den solltest du dir unbedingt anschauen.“
Ganz ehrlich: In vielen anderen Fällen wäre so ein Schreiben vermutlich einfach untergegangen. Oder niemand hätte reagiert. Oder man hätte keine aktuellen Kontaktdaten mehr gehabt.
👉 Dann wäre der Bescheid rechtskräftig geworden. Automatisch.
Ohne Prüfung.
Ohne Einspruch.
Ohne Chance, noch etwas zu ändern.

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Für Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Das Gutachten – und ein völlig anderes Ergebnis
Das Gutachten zeichnete ein deutlich anderes Bild.
Einspruch – kein Formalakt, sondern entscheidend
Uns war sofort klar: Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es richtig schwierig.
Denn was viele nicht wissen:
👉 Ist ein Bescheid zur Wegzugsteuer erst einmal rechtskräftig, wird es extrem schwer, ihn noch anzufechten.
Wir haben umgehend Einspruch eingelegt und zusätzlich ein unabhängiges Gutachten erstellen lassen. Das hat Zeit, Geld und Nerven gekostet – war aber der einzige Weg, die Bewertung realistisch einordnen zu lassen.
Die ursprünglich angesetzte Wegzugsteuer reduzierte sich auf etwa ein Fünftel des ersten Betrags. Immer noch ein sehr hoher Betrag. Aber kein Vergleich mehr zur ursprünglichen Forderung.
Lebenslange Stundung – und der entscheidende Haken
Bis 2021 konnte man die Wegzugsteuer lebenslang stunden, solange man innerhalb Europas lebte.
Diese Stundung haben wir beantragt und genehmigt bekommen.
Aber wichtig zu verstehen:
👉 Verlässt man Europa, wird die Wegzugsteuer sofort fällig.
Die Stundung ist also kein Erlass, sondern lediglich ein Aufschub – mit einer sehr klaren Grenze.
Was für uns emotional besonders schwer war: Im Todesfall würde diese gestundete Wegzugsteuer auf die Rechtsnachfolger übergehen – im Klartext: auf unsere Kinder. Dieser Gedanke war für uns ein echter Bruch.
Was wir heute jedem Unternehmer sagen würden
Auswandern ist kein romantischer Instagram-Traum. Es ist ein rechtlicher, finanzieller und emotionaler Prozess.
Die Wegzugsteuer ist dabei eines der größten Minenfelder.
Unser wichtigstes Learning ist:
* informiere dich früh und gründlich
* prüfe Bescheide sofort
* halte Fristen ein
* und hol dir auf jeden Fall Leute, die sich damit auskennen
Hast du schon mal von der Wegzugsteuer gehört?
Oder hast du sogar eigene Erfahrungen damit gemacht?
Dann teile deine Gedanken gern in den Kommentaren – damit auch andere davon lernen und sich besser vorbereiten können.


