Wie ich mir Investmentwissen selbst beigebracht habe — ohne Kurs, ohne Coach
An anderer Stelle habe ich erzählt, warum ich mit 50 alles neu gedacht habe. Hier geht's darum, wie ich das konkret umgesetzt habe – welche Quellen, welche Methode, welche Strategie, und was wirklich geholfen hat.
Vorweg, ganz ehrlich: Es war kein teurer Kurs. Kein Mentor. Keine Abkürzung. Sondern konsequentes Selbststudium über mehrere Jahre. Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Wissen, das du dir selbst erarbeitest, nimmt dir niemand mehr weg – und es schützt dich vor genau den Leuten, die dir schnelle Lösungen verkaufen wollen.
Der Anfang: Verstehen, wie Geld wirklich funktioniert
Ich habe nicht mit Trading angefangen. Ich habe damit angefangen, das Geldsystem zu verstehen. Warum verliert Geld an Wert? Wie hängen Zinsen, Inflation und Rohstoffe zusammen? Was steckt hinter geopolitischen Entscheidungen?
Das klingt abstrakt – ist es aber nicht. Wer versteht, warum etwas passiert, kann besser einschätzen, was als Nächstes kommen könnte. Ein paar der Fragen, die mein Denken geprägt haben:
- Warum verliert Geld an Wert? Unser Geld ist seit den 1970ern nicht mehr an Gold gebunden. Zentralbanken können die Geldmenge ausweiten – und wenn mehr Geld auf gleich viele Güter trifft, sinkt die Kaufkraft. Das ist Inflation im Kern.
- Was machen Zinsen mit den Märkten? Niedrige Zinsen machen Geld billig und treiben Vermögenswerte nach oben; steigende Zinsen drehen das um. Wer die Richtung der Zinsen im Blick hat, versteht viele Bewegungen, die sonst wie Zufall wirken.
- Wo stehen wir im großen Zyklus? Wirtschaft läuft in langen Auf- und Abschwüngen von Verschuldung und Entschuldung. Zu wissen, wo man ungefähr im Zyklus steht, ist wichtiger als jeder einzelne „heiße Tipp".
- Warum überhaupt Sachwerte? Gold, Silber und andere reale Werte haben mich interessiert, weil sie sich anders verhalten als Papiergeld – als möglicher Ausgleich, wenn Währungen an Wert verlieren.
Wichtig: Das sind meine Schlussfolgerungen, keine Wahrheiten in Stein. Bilde dir immer deine eigene Meinung und zieh mehrere Perspektiven heran.
Meine Methode: Wie ich gelernt habe
Ich habe mich durch Bücher, YouTube-Kanäle und Podcasts gearbeitet – nicht wahllos, sondern gezielt. Was mir dabei geholfen hat:
- Tiefe statt Breite. Lieber wenige Quellen wirklich durchdringen als überall nur die Überschrift lesen.
- In eigenen Worten zusammenfassen. Was ich nicht selbst erklären kann, habe ich nicht verstanden.
- Gegenlesen. Gerade in einem Feld voller starker Meinungen habe ich Aussagen bewusst gegen andere Perspektiven geprüft.
- Erst eine eigene These, dann handeln. Nicht, weil ich alles wusste – sondern weil ich genug wusste, um mit einem Plan zu starten.
Was mich wirklich weitergebracht hat
Bücher waren mein Einstieg. Nicht irgendwelche Ratgeber, sondern welche, die erklären, warum das Geldsystem so funktioniert, wie es funktioniert – und wohin es sich entwickelt. Und nicht nur Finanzbücher: Auch Mindset spielt eine Rolle. Wer seinen Kopf nicht im Griff hat, trifft keine guten Entscheidungen.
Dazu kamen YouTube und Podcasts. Zwei Quellen, die ich bis heute regelmäßig nutze: Invest in Best, ein deutschsprachiger YouTube-Kanal rund um Finanzen, zyklisches Investieren und Mindset. Und der Podcast Nacktes Geld von Paul Brandenburg – wöchentlich, auf den Punkt, kritisch.
Was diese Quellen gemeinsam haben: Sie denken selbst und folgen keinem Mainstream. Genau das habe ich gesucht. (Fairerweise: Das ist auch eine bestimmte Denkschule – bilde dir immer deine eigene Meinung und ziehe mehrere Perspektiven heran.)
Strategie statt Bauchgefühl
Irgendwann kam der Punkt, an dem ich aufgehört habe zu konsumieren und angefangen habe zu handeln. Meine Strategie ist einfach: Ich investiere zyklisch. Ich schaue mir geopolitische Entwicklungen an. Ich folge dem Geld – nicht den Schlagzeilen. Und ich bleibe geduldig.
Zyklisch heißt für mich: Märkte bewegen sich in Wellen, nicht in geraden Linien. Es gibt Phasen der Übertreibung nach oben und nach unten. Wer das versteht, jagt Kursen weniger hinterher und trifft ruhigere Entscheidungen.
Ein Beispiel: Ich bin bei Bitcoin früh eingestiegen und deutlich höher wieder ausgestiegen. Ich erzähle das aber bewusst nicht als „Gewinn-Story", sondern als Beispiel für eine Denkweise. Ich hatte eine These, warum sich das lohnen könnte, und die Geduld, sie auszusitzen. Genauso ehrlich gehört dazu: Nicht jede meiner Thesen geht auf. Ein einzelner Treffer beweist kein System. Was zählt, ist der Prozess dahinter – die richtigen Fragen zu stellen, bevor alle anderen sie stellen.
Die häufigsten Denkfehler – und was ich heute anders machen würde
Weil Ehrlichkeit mehr wert ist als jede Erfolgsgeschichte – die Fehler, die ich immer wieder sehe (und teils selbst kannte):
- FOMO. Etwas kaufen, weil es gerade stark gestiegen ist. Meistens ist man dann zu spät.
- Schlagzeilen folgen statt verstehen. Wer nur Nachrichten hinterherläuft, wird von ihnen getrieben.
- Kein Risikomanagement. Ohne klare Regeln, wie viel man einsetzt, entscheidet irgendwann die Emotion.
- Ungeduld. Die Erwartung, dass es schnell gehen muss. Tut es selten.
- Alles auf eine Idee. Eine einzige Wette, die aufgehen „muss", ist keine Strategie, sondern ein Risiko.
Was ich jedem empfehle, der anfangen will
Fang nicht mit Trading an. Fang mit Verstehen an. Lies. Hör zu. Hinterfrage. Bau dir deinen eigenen Blick auf – einen, dem du vertraust. Dann erst kommt die Umsetzung. Und wenn du startest: klein, und nur mit Geld, dessen Verlust du verkraften könntest.
Das dauert. Aber es lohnt sich.
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