Kaum eine Frage bekommen wir so oft gestellt wie diese: Was kostet euch das eigentlich alles?
Und ich verstehe das. Denn wenn man von einem Leben zwischen Europa und Südafrika liest, denkt man entweder: „Das können sich nur Reiche leisten" – oder man unterschätzt es komplett und träumt von einem Leben für 1.000 Euro im Monat am Strand.
Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Und ich möchte sie hier so ehrlich aufschreiben, wie ich kann.
Erstmal das Wichtigste vorab
Wir zahlen keine Miete. Das Haus in Kommetjie gehört uns – wir haben es gekauft, bevor wir je einen Fuß nach Südafrika gesetzt haben. Wer das noch nicht gelesen hat: hier ist unsere Geschichte dazu.
Das verändert die Rechnung natürlich erheblich. Wer plant zu mieten oder selbst zu kaufen, hat andere Ausgangsbedingungen. Ein gutes Haus in Kommetjie ist derzeit für deutlich unter europäischen Preisen zu haben – aber es ist eben eine Investition, die erstmal gemacht werden muss. Und auch hier steigen die Immobilienpreise extrem.
Mit diesem Kontext im Hinterkopf – hier sind unsere echten Zahlen.
Die laufenden Kosten im Überblick
Haus & Infrastruktur: ~175–190 €/Monat
Darin enthalten sind Grundsteuern (~1.794 R), Wasser (~561 R), Müll (~179 R) und die städtische Netzgebühr für Strom.
Und hier kommt einer der interessantesten Punkte: Strom kauft man in Südafrika als Prepaid-Guthaben – es gibt keinen monatlichen Verbrauchsvertrag wie in Europa. Im Sommer leben wir komplett von unserer Solaranlage und kaufen null Strom dazu. Im Winter kommen ca. 400 Rand (~20 €) für Prepaid-Strom hinzu.
Das macht im Jahresdurchschnitt etwa 175–190 € pro Monat für alle Hausnebenkosten zusammen – deutlich weniger als viele erwarten würden.
Solar lohnt sich hier übrigens auch aus einem anderen Grund: das berüchtigte Load Shedding, also die geplanten Stromausfälle in Südafrika. Wer davon gehört hat, fragt sich vielleicht, ob das noch ein Thema ist – und die gute Nachricht ist: Es hat sich deutlich verbessert. Wir haben kaum noch Ausfälle. Vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders aus. Trotzdem: Wer eine Solaranlage hat, ist auf der sicheren Seite – egal was kommt.
Lebensmittel: ~1.400 €/Monat
Das klingt viel – und ist es auch. Wir sind fünf Personen und kaufen bewusst ein. Der größte Hebel: wo man einkauft. Im normalen Supermarkt zahlt man für Obst und Gemüse ähnlich wie in Deutschland. Ich kaufe meinen frischen Gemüsebedarf dagegen auf dem lokalen Markt – das macht einen spürbaren Unterschied, sowohl im Preis als auch in der Qualität. Wie wir das für uns gelöst haben und warum Einkaufen hier für uns besser funktioniert als in Europa, habe ich hier ausführlich beschrieben.
Essen gehen: ~800 €/Monat
Das ist einer der wirklich positiven Überraschungen hier. Essen gehen ist deutlich günstiger als in Europa – und die Qualität stimmt. Gleiches gilt für Wein. Südafrikanischer Wein ist gut, regional und erschwinglich. Wir gehen regelmäßig aus – das gehört für uns zum Lebensgefühl hier dazu. 😊
Lerncamp für die Kinder: ~1000 €/Monat
Die Zwillinge gehen viermal die Woche, Lena dreimal. Freilernen funktioniert hier anders als in Deutschland – strukturierter als zu Hause, freier als in der Schule. Für uns genau das Richtige.
Krankenversicherung: ~500 €/Monat
Wir haben eine internationale Krankenversicherung für uns alle – und bisher zum Glück kaum gebraucht. Das ist natürlich der beste Fall: man zahlt für etwas, das man nicht nutzt. Trotzdem: Wir sind froh, dass wir sie haben. Ob man sie braucht oder nicht, muss jeder selbst abwägen – ein Leben ohne würde ich persönlich hier nicht führen wollen, aber das ist eine individuelle Entscheidung.
Ich habe über unsere Erfahrungen mit Krankenversicherung in Südafrika übrigens schon ausführlich geschrieben: hier geht's zum Artikel.
Haushalt & Garten: ~75 €/Monat
- Haushaltshilfe (einmal wöchentlich): 500 Rand, ca. 25 €
- Gärtner: 500 Rand, ca. 25 €
Ja, das lest ihr richtig. Das ist einer der Momente wo der Währungsunterschied wirklich greifbar wird. In Europa undenkbar – hier ist es normal und ermöglicht es, lokale Jobs zu unterstützen.
Internet: ~25 €/Monat
Solide Verbindung, keine Klagen.
Auto & Tanken: ~210–315 €/Monat
Wir tanken zwei- bis dreimal im Monat, pro Tankfüllung derzeit ca. 105 €. Benzin ist in den letzten Monaten hier extrem gestiegen – das merkt man deutlich und ist ehrlich gesagt einer der Posten, der uns negativ überrascht hat.
Ausflüge & Freizeitaktivitäten: ~300–500 €/Monat
Die Western Cape Provinz ist atemberaubend schön – und man will sie erleben. Wandern, Strände, Ausflüge mit den Kindern. Das rechnen wir fest ein.
Die Extras: Urlaub, Festivals & Wochenend-Camps
Wir reisen viel innerhalb Südafrikas und nehmen an Festivals und Outdoor-Camps teil. Das ist für uns bewusst Teil unseres Lebens hier – und kostet im Durchschnitt etwa 1.000 € pro Monat.
Das sind keine notwendigen Ausgaben. Aber es sind die, für die wir dieses Leben auch führen.
Zusammenfassung: Was kostet unser Leben wirklich?
| Kategorie | Monatlich (ca.) |
|---|---|
| Haus (Steuern, Wasser, Müll, Solar + Prepaid-Strom Winter) | 175–190 € |
| Lebensmittel | 1.400 € |
| Essen gehen | 800 € |
| Lerncamp (3 Kinder) | 1000 € |
| Krankenversicherung | 500 € |
| Haushaltshilfe & Gärtner | 75 € |
| Internet | 25 € |
| Auto & Tanken | 210–315 € |
| Ausflüge & Freizeit | 300–500 € |
| Basis gesamt | ~4.485–4.790 € |
| Urlaub, Festivals, Camps | ~1.000 € |
| Gesamt inkl. Extras | ~5.485–5.790 € |
Was günstiger ist als erwartet
- Essen gehen
- Wein 🍷
- Haushaltshilfe & Gärtner
- Frischer Markt-Einkauf
Was teurer ist als erwartet
- Tanken (in den letzten Monaten extrem gestiegen)
- Einkaufen im Supermarkt – stark abhängig davon, wo man kauft
Fazit
Für eine Familie mit drei Kindern, eigenem Haus, bewusstem Lebensstil und dem Willen, das Land wirklich zu erleben: zwischen 4.485 und 5.790 Euro im Monat.
Das ist kein Schnäppchen. Aber es ist auch kein Luxusbudget – dafür bekommt man hier eine Lebensqualität, die in dieser Form in Europa deutlich mehr kosten würde.
Und nein: man muss kein Millionär sein. Aber man muss ehrlich planen – und vor allem den Hauskauf oder die Miete realistisch einrechnen.
Habt ihr Fragen zu einzelnen Posten? Schreibt sie gerne in die Kommentare – ich beantworte sie so konkret wie möglich.

